All about Slam

Der Poetry Slam ist eine aus den USA stammende Form des öffentlichen Literaturwettbewerbs, auf dem Autoren mit ihren Texten um die Gunst des Publikums oder einer ausgewählten Publikumsjury konkurrieren. Entscheidend ist bei dem Wettbewerb die persönliche Vermittlung des Textes durch den Autor, der im Vortrag seine Arbeit vor den Zuhörern legitimieren muß. So schreibt > Bob Holman, Slam Poet und Mitbegründer des Nuyorican Poets Café:

„Die Slams, eine echte Grassroots-Bewegung, wurden in Chicago von dem ehemaligen Bauarbeiter Marc Smith aus der Taufe gehoben, der zwar Lyrik liebte, aber einfach nicht glauben konnte, wie langweilig die Dichterlesungen waren, die er besuchte. Unbekümmert und in dem Bestreben, dem Publikum wieder Einfluß auf das Geschehen zu verschaffen, machte er das Unmögliche wahr: Bei einem Poetry Slam bewerten Juroren nach dem gleichen System wie beim olympischen Kunstspringen. Eine Null für ein Gedicht, das nie hätte geschrieben werden sollen, eine Zehn für ein Gedicht, das bei allen einen gleichzeitigen Orgasmus auslöst.” (In: „du”. Die Zeitschrift für Literatur. 4/1994)

Damit beschreibt der Begriff „Poetry Slam” ein klar umrissenes Format von Literaturveranstaltung. Der Event lebt von der Interaktion und dem Informationsaustausch ihrer Teilnehmer: Autor, Publikum, Jury und Moderatoren stehen in einer wechselseitigen Kommunikation, in der sowohl auf die jeweiligen Texte als auch auf die allgemeine Stimmung im Veranstaltungsort reagiert wird. Ein Slam ist ein kollektives literarisches Experiment, das in den Veranstaltungsorten eigene und immer wieder neue Rituale hervorbringt.

Daneben steht der Begriff „Slam” für eine mittlerweile internationale literarische Bewegung, die von der Offenheit ihrer Strukturen lebt; jeder kann daran teilhaben. Die Slam-Bewegung entwickelt sich im Rahmen bestehender urbaner Literaturszenen, Einzelinitiativen sowie in regionalen und internationalen Netzwerken.

Kennzeichnend für diese Strömung ist eine von großer Stilvielfalt und Performances geprägte Lyrik, die mit dem Begriff „Slam Poetry” bezeichnet wird. Der Term „Slam Poetry” steht für eine Lyrik, die modernes Leben sehr unmittelbar und mit aktuellen literarischen Verfahren verarbeitet. Typische Themen sind gesellschaftliche Verwerfungen und ihr Niederschlag im subjektiven Erleben, Geschlechterrollen, kulturelle und politische Selbstvergewisserung von Minoritäten, Phänomene der Massenkultur. Slam Poetry knüpft an verschiedenste Traditionen an: Angefangen von ethnopoetischen oralen Traditionen, über Dada und Beat bis hin zur Popkultur.

Boris Preckwitz